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cluster-knaster/docs/PLAN.md
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2026-10-12 02:12:30 +02:00

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embedd-everything – Architektur- und Betriebsplan

Stand: 2026-10-11 (überarbeitet: Netzwerk 1 GbE, verteilte SSDs, halbautomatischer Pflege-Agent)

Ziel: Ein starkes LLM (OpenRouter) erarbeitet neue Aufgaben einmalig und bricht sie in Skills herunter. Danach erledigen schwächere, selbst gehostete Modelle diese Aufgaben. Embedding-Modelle übernehmen Wiedererkennung, Routing und einfache Entscheidungen. Die Last verteilt sich auf CPU und GPU, RAM und VRAM.


0. Leitprinzipien

  1. Control Plane und Data Plane trennen. n8n, Registry und Router entscheiden. vLLM, llama.cpp und die Embedding-Server rechnen. Fällt die Control Plane aus, läuft die Data Plane mit dem letzten Stand weiter.
  2. Slots statt Modellnamen. n8n, Hermes und Skills sprechen nur abstrakte Slots an, etwa tier1-general, verifier-small oder embed-default. Welches Modell und welcher Adapter dahinterstehen, steht ausschließlich in der Registry. Ein Modellwechsel ist dann eine Datenänderung und kein Umbau.
  3. Daten sind das Asset, Gewichte sind Cache. Verifizierte Fälle, Skills und Eval-Sets werden modellneutral gespeichert. Adapter und Quantisierungen lassen sich daraus jederzeit neu erzeugen.
  4. Alles deklarativ. Gewünschter Zustand liegt in Git (IaC und Konfiguration), ein Reconcile-Prozess gleicht den Ist-Zustand ab. Das ist die Basis für Autohealing und Übertragbarkeit.
  5. Jede automatische Aktion ist begrenzt. Autohealing hat Rate Limits und Eskalationsstufen und ruft ab Stufe X einen Menschen.

1. Proxmox-Einbindung

1.1 VM oder LXC?

VM mit PCI-Passthrough LXC mit GPU-Durchreichung
Overhead gering: CPU ~2–5 %, GPU praktisch nativ minimal
RAM fest reserviert (Passthrough pinnt den gesamten VM-RAM, kein Ballooning) flexibel geteilt
Treiber/CUDA eigener pro VM, unabhängig vom Host an den Host-Treiber gekoppelt
GPU-Teilung 1 GPU → 1 VM mehrere Container pro GPU möglich
Isolation stark (eigener Kernel) schwächer
Snapshots/Backup vollständig ja, mit Einschränkungen bei Bind-Mounts

Empfehlung:

  • GPU-Nodes als VM. Grund: Die alten Karten (Maxwell M4000, Pascal P2000) brauchen fest gepinnte Treiber mit CUDA 12.x, die Ada-Karten profitieren von aktuellen Treibern. Mit VMs lebt beides sauber getrennt auf einem Cluster. Treiber-Updates werden per Snapshot rückrollbar.
  • CPU-Infrastruktur als LXC oder leichte VM (n8n, Postgres, LiteLLM, Monitoring). Das spart RAM auf den i7-Nodes.
  • Innerhalb der VMs bzw. LXCs läuft Docker Compose, ein Compose-Projekt pro Rolle.

1.2 Was Proxmox zusätzlich ermöglicht

  • Resource Mappings für PCI-Geräte. GPUs werden clusterweit logisch benannt (z. B. gpu-ada-1). VM-Konfigurationen verweisen auf den Namen statt auf eine PCI-Adresse, wodurch sie zwischen Nodes mit gleicher Karte portabel werden.
  • Snapshots vor jedem riskanten Schritt (Treiber-Update, Modellwechsel, vLLM-Upgrade). Schlägt die Eval fehl, folgt ein Rollback in Sekunden.
  • Templates und Cloud-Init. Jede Rolle (gpu-vllm, gpu-llamacpp, infra) ist ein Template, damit neue Nodes reproduzierbar sind.
  • Staging durch Klonen. Eine geklonte VM dient als Testumgebung für neue Modellversionen, ohne die Produktion anzufassen.
  • HA-Gruppen für die zustandslosen und CPU-Dienste: automatischer Neustart auf einem anderen Node. GPU-VMs sind nicht live-migrierbar. Ein Neustart auf einem anderen Node geht nur, wenn dort eine gleich gemappte Karte steckt.
  • Proxmox Backup Server für Postgres (Skills, Registry, Traces), Konfiguration und Datensätze. Modellgewichte nicht sichern, die lassen sich neu laden.
  • Energie. Selten genutzte GPU-VMs (z. B. M4000) per API bedarfsgesteuert starten und stoppen. Für echte Stromersparnis ganze Hosts per Wake-on-LAN schlafen legen bzw. wecken.
  • API-Steuerung. Alles oben Genannte ist über die Proxmox-API automatisierbar, aus n8n, Terraform/OpenTofu (Provider bpg/proxmox) oder dem Healer-Service.

1.3 Rollenverteilung (aktuelle Hardware)

Rolle Hardware Engine Aufgabe
gpu-main RTX 4000 Ada #1 (20 GB) vLLM, Multi-LoRA Slot tier1-general plus Skill-Adapter
gpu-flex RTX 4000 Ada #2 (20 GB) vLLM / Unsloth tagsüber zweiter Slot oder Reserve, nachts LoRA-Training
gpu-embed 2× Quadro P2000 (5 GB) llama.cpp (Embedding/Rerank) embed-default, rerank-default, redundant auf zwei Hosts
gpu-small Quadro P2000 (5 GB) llama.cpp verifier-small, signature-extractor (3–4B)
– 4× Quadro M4000 (8 GB) – vorerst außer Betrieb (ADR-0006), nur nach Benchmark für llama.cpp-Rollen
tts-hq teilt RTX 4000 Ada #2 PyTorch tts-de-hq: Qwen3-TTS 1.7B (ADR-0006)
tts-cpu Infra-LXC (CPU) Piper (ONNX) tts-de: schnelle Sprachausgabe, Fallback
infra i7 6./7. Gen, 32 GB Docker n8n, LiteLLM, Postgres+pgvector, Redis, Router, Healer, Langfuse, Prometheus/Grafana
strong extern OpenRouter tier0-strong, Skill-Autor (Hermes)

Wichtig: Auf Maxwell und Pascal läuft kein vLLM (das braucht Compute Capability ≥ 7.0), und CUDA 13 unterstützt sie nicht mehr. Daher auf diesen Nodes Treiber und Images pinnen. Auch PyTorch hat dort keine Zukunft mehr (2.14 ist die letzte Version mit CUDA-12-Wheels). Deshalb laufen auf alten Karten nur llama.cpp-Workloads (ADR-0006).

1.4 Netzwerk und Storage (entschieden, siehe ADR-0002)

Ausgangslage: 1 GbE zwischen den Nodes, pro physischer Maschine 2–3 SSDs mit 128–256 GB.

  • Kein Ceph. Ceph braucht für brauchbare Latenz und Rebuild-Zeiten mindestens 10 GbE und mehr Platz pro OSD. Mit 1 GbE und kleinen SSDs würde jeder Schreibvorgang über das Netz gebremst und ein Rebuild das Netz tagelang belegen.
  • ZFS lokal pro Node. SSD 1 trägt das Proxmox-System. SSD 2 und 3 bilden, wo vorhanden, einen ZFS-Mirror tank für VM-Disks. Auf Nodes mit nur zwei SSDs ist tank eine Einzel-SSD, die über Replikation abgesichert wird.
  • ZFS-Replikation (Proxmox-Job, alle 15 Min.) für die Infra-VMs auf einen zweiten Node. Zusammen mit Proxmox HA startet die VM nach einem Node-Ausfall dort mit maximal 15 Min. altem Stand. Für Postgres wird das zusätzlich durch PBS-Backups und WAL-Archivierung abgefedert.
  • Modelle liegen lokal auf der GPU-VM, in einem eigenen Disk-Image (models, nicht repliziert, nicht gesichert). Quelle ist Hugging Face oder ein optionaler Modell-Mirror auf einem Infra-Node (HTTP/NFS, nur lesend). 10 GB über 1 GbE dauern etwa 90 s, das ist für Modellwechsel unkritisch.
  • Proxmox Backup Server als VM oder LXC auf dem Node mit dem meisten freien SSD-Platz, oder besser auf einer externen Platte bzw. einem NAS. Gesichert werden Postgres, Konfiguration und Datensätze, keine Modellgewichte.
  • Netztrennung per VLAN (Proxmox SDN): mgmt (Proxmox, PBS), svc (Dienste untereinander), ext (Zugriff von außen auf n8n und Router). Ohne Bandbreitengewinn, aber Replikation und Backups lassen sich zeitlich steuern, damit sie den Inferenz-Traffic nicht stören.

Speicherbudget pro Rolle (Richtwerte):

Rolle belegt Inhalt
gpu-main / gpu-flex 60–100 GB aktives Basismodell (~9 GB bei 14B/AWQ), Kandidat (~9 GB), 4-Bit-Trainingsbasis (~9 GB), Adapter (je 50–200 MB), Checkpoints, Docker-Images (~15 GB)
gpu-embed / gpu-small 15–25 GB Embedding-, Rerank- und kleine GGUF-Modelle (je 0,5–3 GB), Images
infra 40–80 GB Postgres (Fälle, Traces), Prometheus (15 Tage Retention), Langfuse

Die genaue SSD-Verteilung wird beim Inventarlauf erfasst (sites/knaster/inventory.yaml).


2. Betrieb und Pflege

2.1 Was gepflegt werden muss

Objekt Pflege Automatisierbar?
Skill-Bibliothek Duplikate zusammenführen, veraltete Skills stilllegen, Konflikte (zwei Skills fast gleich ähnlich) auflösen großteils: Clustering plus Vorschlag, Freigabe durch Mensch
Eval-Sets (Golden Sets) pro Skill wachsen lassen, Ausreißer prüfen, Leaks ins Training vermeiden ja, mit Stichproben-Review
Registry neue Modelle und Slots, Kalibrierungswerte ja, über Kalibrierungs-Job (Abschnitt 7)
Adapter Versionen, Rollback, Aufräumen alter Versionen ja (Lifecycle-Pipeline)
Embedding-Index Re-Embedding bei Wechsel des Embedding-Modells ja, Blue/Green (Abschnitt 4.4)
Treiber, CUDA, Engines Updates mit Snapshot, Eval, Rollback halbautomatisch
OpenRouter-Kosten Budget-Alarme, Anteil Stufe 0 beobachten ja (LiteLLM-Budgets)
Backups Restore-Test ja, monatlich

2.2 Wartungsrhythmus

  • Täglich, automatisch: Health-Report (Pass-Rates pro Skill und Slot, Eskalationsquote, Kosten, Fehlerklassen). Er geht nur bei Auffälligkeiten an einen Menschen.
  • Nächtlich: Graduierungs-Läufe, LoRA-Training für Cluster mit genug neuen Fällen, Re-Evals.
  • Wöchentlich, ca. 15–30 Min. Mensch: Service-Routine mit dem Pflege-Agenten (Abschnitt 2.3): Freigaben, Merge-Vorschläge, Stichproben aus Eskalationen.
  • Monatlich: Restore-Test, Kandidaten für Updates von Basismodell, Engine und Treiber prüfen.

2.3 Pflege-Agent mit Human-in-the-Loop (Service-Routine)

Die Pflege läuft halbautomatisch, geführt von einem Pflege-Agenten (siehe docs/spec/SPEC-maintenance.md):

  1. Service-Routine. Wöchentlich per Zeitplan, jederzeit auch auf Zuruf („starte die Service-Routine“). Der Agent sammelt Befunde: Skills mit sinkender Pass-Rate, ähnliche Skills (Merge-Kandidaten), offene Kandidaten der Lifecycle-Pipeline, Slots im Zustand degraded, Häufungen von Kontext-Ausweichern und den Kostenstand.
  2. Daraus erzeugt er Vorschläge (P-<nr>), jeweils mit Begründung, Risiko und erwarteter Wirkung.
  3. Der Mensch antwortet per Prompt im Chat (n8n Chat oder Messenger): „genehmige P-3“, „lehne P-4 ab, weil …“, „alle mit Risiko niedrig genehmigen“, oder neue Aufträge wie „wechsle tier1-general auf qwen3-14b“ und „trainiere einen Adapter für den Cluster rechnungen“.
  4. Aufträge des Menschen werden ebenfalls zu Vorschlägen. Der Agent zeigt, was passieren würde, und führt erst nach Bestätigung aus.
  5. Eine Freigabe-Richtlinie (config/policy.yaml) legt fest, was ohne Rückfrage laufen darf. Standard: Schritte in die sichere Richtung (Skill zurückstufen, Slot als degraded markieren, Container-Neustart) laufen automatisch. Alles, was Qualität oder Kosten nach oben verändert (Skill freischalten, Adapter oder Basismodell tauschen, Host-Neustart, Löschen), braucht eine Freigabe.

Der Agent entscheidet nicht über Infrastruktur. Er schlägt vor, erklärt und führt Freigegebenes über dieselben deterministischen Aktionen aus wie der Healer. Freitext wird zuerst mit einer festen Befehlsgrammatik verstanden. Ein LLM wird nur verwendet, um unklare Formulierungen auf einen dieser Befehle abzubilden, und der Agent fragt dann zurück.

2.4 Observability (Voraussetzung für alles Weitere)

  • Langfuse: Trace jeder Anfrage mit Slot, Skill, Adapter, Verifier-Ergebnis, Tokens, Latenz und Eskalation. Daraus entstehen Trainings- und Eval-Daten.
  • Prometheus + Grafana: Metriken von vLLM (KV-Cache-Auslastung, wartende Requests, Preemptions), llama.cpp, LiteLLM, Router, pve-exporter (Proxmox) und nvidia_gpu_exporter (funktioniert auch auf alten Quadros).
  • Loki für Logs, inkl. Kernel-Logs der GPU-VMs (NVIDIA-Xid-Fehler).

3. Autohealing – in Schichten

Jede Schicht fängt ab, was die darunterliegende nicht schafft. Jede Aktion hat einen Zähler, und nach N Versuchen wird an die nächste Schicht bzw. einen Menschen eskaliert.

Schicht Erkennt Reaktion
L1 Container Prozess hängt, Healthcheck schlägt fehl Docker-Healthcheck plus autoheal-Container (Compose startet Container im Zustand unhealthy nicht selbst neu)
L2 Modell-Endpunkt Endpunkt antwortet, aber falsch oder zu langsam Canary-Prompt mit erwarteter Antwort statt nur HTTP 200; LiteLLM-Fallbacks und Cooldowns; Circuit Breaker im Router
L3 VM / GPU GPU fällt vom Bus (Xid 79), CUDA-Fehler, OOM-Schleifen, Überhitzung Healer startet VM über die Proxmox-API neu. Bei Wiederholung wird der Slot in der Registry als degraded markiert, der Router meidet ihn, und auf Wunsch wird ein Ersatz-Node gestartet
L4 Node Host weg Proxmox HA startet Infra-VMs woanders neu. GPU-Slots fallen per Registry auf andere Nodes oder Stufe 0 zurück
L5 Qualität Pass-Rate eines Skills oder Adapters sinkt (Drift) Skill automatisch auf Stufe 0 zurückstufen, Re-Destillation einreihen, Adapter auf Vorversion zurückrollen
L6 Konfiguration Ist-Zustand weicht von Git ab Reconcile (Ansible/OpenTofu) stellt den Sollzustand wieder her

Healer-Service: Ein kleiner Dienst (oder n8n-Workflow mit Cron) wertet Prometheus-Alerts aus und führt die Aktionen nach einer festen Regeltabelle aus. Keine LLM-Entscheidung beim Heilen der Infrastruktur, das muss deterministisch sein. Später kann ein LLM Diagnose-Berichte schreiben, aber nicht handeln.

Hinweis zu Passthrough: Manche älteren Karten lassen sich nach einem Absturz nicht sauber zurücksetzen (fehlendes FLR) und brauchen einen Host-Neustart. Das gehört in die Regeltabelle (Eskalation „Host-Reboot“, nur mit Freigabe oder in einem Wartungsfenster).


4. Modellwechsel und Nachtrainieren = eine Pipeline

Basismodell-Wechsel, neuer Adapter, neue Quantisierung, neues Embedding-Modell und Engine-Update sind alle dasselbe: ein Kandidat für einen Slot. Deshalb gibt es genau eine Lifecycle-Pipeline.

4.1 Ablauf

Kandidat (Basis/Adapter/Quant/Engine)
  → Build      (Download+Quantisierung oder LoRA-Training aus Datensatz)
  → Offline-Eval (Golden Sets aller betroffenen Skills + allgemeines Sanity-Set
                  + Kontextlängen-Kalibrierung, s. Abschnitt 6)
  → Shadow     (läuft parallel auf echtem Traffic mit, Antworten werden nur verglichen)
  → Canary     (x % Traffic, Verifier-Pass-Rate vs. aktueller Version)
  → Promote    (Registry-Eintrag des Slots umschalten)
  → Vorversion bleibt N Tage als Rollback-Ziel erhalten

n8n orchestriert die Schritte und holt die Freigaben ein. Die Arbeit selbst machen Jobs auf gpu-flex.

4.2 Basismodell-Wechsel

  • Adapter sind an das Basismodell gebunden. In der Registry heißt ihr Schlüssel deshalb (base_model_hash, skill_cluster, version).
  • Wechsel = neue Basis als Kandidat plus Batch-Neutraining aller Adapter aus den gespeicherten Datensätzen. Das ist ein einziger nächtlicher Job.
  • Vorher prüfen: Schafft die neue Basis die Skills ohne Adapter (nur Skill-Text)? Adapter werden nur für Cluster trainiert, in denen sie messbar etwas bringen. Das reduziert die Pflege.

4.3 Datensätze modellneutral halten

  • Speichern als Nachrichtenliste (system/user/assistant plus Metadaten), ohne modellspezifisches Chat-Template. Das Template kommt erst beim Training dazu.
  • Jeder Fall trägt Herkunft (Stufe, Modell), Verifier-Ergebnis, Skill-ID und Zeitstempel.
  • Train/Eval-Split ist fest pro Fall, damit Eval-Fälle nie ins Training geraten.

4.4 Sonderfall Embedding-Modell

Neues Embedding-Modell bedeutet: Alle Vektoren sind ungültig. Deshalb Blue/Green-Index: zweite Collection mit dem neuen Modell befüllen, Routing-Qualität vergleichen (Recall auf historisch korrekt gerouteten Fällen), dann den Alias umschalten.


5. Finetuning-Strategie

5.1 Stufen (in dieser Reihenfolge ausreizen)

  1. Skill-Text und Beispiele im Kontext. Kostenlos und sofort wirksam.
  2. LoRA pro Skill-Cluster. Wird trainiert, sobald ein Cluster ≥ N verifizierte Fälle hat (Startwert ca. 200–500) und Stufe 1 dort unter dem Zielwert liegt.
  3. Präferenz-Training (DPO/ORPO). Das System erzeugt automatisch Präferenzpaare: Antwort des schwachen Modells (Verifier: falsch) gegen Korrektur des starken Modells (Verifier: richtig) für dieselbe Eingabe. Das ist sehr wertvolles Trainingsmaterial, das hier nebenbei entsteht.
  4. Allgemeiner Domänen-Adapter (mehrere Cluster zusammengeführt), wenn viele kleine Adapter unhandlich werden.

5.2 Technik auf der vorhandenen Hardware

  • Training auf gpu-flex (RTX 4000 Ada, 20 GB) mit QLoRA über Unsloth oder Axolotl. 7–14B ist komfortabel, größere Modelle nur knapp oder gar nicht.
  • Serving über vLLM mit --enable-lora. Begrenzungen (max_loras, max_lora_rank) setzen, sonst wird VRAM für den KV-Cache knapp.
  • Während des Trainings ist gpu-flex in der Registry unavailable. Der Router weiß das, und ein Healer-Alarm wird dadurch nicht ausgelöst (Wartungsfenster).

5.3 Risiken

  • Overfitting auf selbst erzeugte Varianten. Das Eval-Set muss echte Produktionsfälle enthalten.
  • Verifier als Flaschenhals. Was der Verifier nicht prüft, lernt das Modell auch nicht sicher. Verifier-Qualität regelmäßig gegen das starke Modell stichprobenartig gegenprüfen.
  • Schleichende Selbstverstärkung. Nur Fälle, die unabhängig verifiziert wurden, dürfen ins Training, nicht bloß solche, die das schwache Modell selbst für gut hält.

6. Problemerkennung (z. B. zu kleine Kontextlänge)

6.1 Vor dem Aufruf (präventiv, im Router)

  • Token-Budget berechnen mit dem Tokenizer des Zielmodells: Eingabe + Skill + Beispiele + erwartete Ausgabelänge.
  • Liegt die Summe über effective_context des Slots (nicht über max_context, siehe unten), reagiert der Router in dieser Reihenfolge:
    1. kompaktere Skill-Variante bzw. weniger Beispiele laden
    2. Slot mit größerem effektivem Kontext wählen
    3. Aufgabe aufteilen (Map-Reduce, Chunking)
    4. auf Stufe 0 eskalieren
  • Jede dieser Ausweichreaktionen wird als Ereignis geloggt. Häufen sie sich bei einem Skill, ist das ein Signal für Pflege.

6.2 Effektiver vs. nomineller Kontext

Modelle werden oft deutlich vor ihrem offiziellen Kontextlimit schlechter. Deshalb kalibrieren: die Verifier-Pass-Rate pro Slot nach Eingabelänge in Klassen gruppieren (z. B. <2k, 2–8k, 8–16k, …). Die Länge, ab der die Pass-Rate unter den Zielwert fällt, wird als effective_context in der Registry gespeichert und automatisch nachgeführt.

6.3 Laufzeit-Signale und Fehlerklassen

Signal Bedeutung Automatische Reaktion
finish_reason = length Ausgabe abgeschnitten max_tokens erhöhen bzw. Aufgabe teilen; bei Häufung effective_context senken
Kontext-Overflow-Fehler der Engine Budget falsch berechnet Tokenizer-Konfiguration prüfen, Anfrage neu routen
JSON/Schema ungültig Formatproblem ein Retry mit Fehlerhinweis, danach Eskalation; bei Häufung Kandidat für Adapter
Wiederholungsschleifen in der Ausgabe Degeneration (oft Quantisierung oder zu langer Kontext) Abbruch, Eskalation, Längen-Bucket markieren
Hohe Ähnlichkeit, aber Verifier schlägt fehl Fehlrouting Schwellwert des Skills anheben, Fall als Negativbeispiel für den Router
Zwei Skills fast gleichauf Skill-Konflikt Reranker entscheiden lassen, Merge-Vorschlag
KV-Cache voll, Preemptions Überlast Drosselung, Ausweichen auf zweiten Slot
Latenz-Ausreißer Überhitzung, Swapping, Nachbar-Last Node-Metriken prüfen, ggf. Slot degraded

Alle Klassen landen mit Zählern in Grafana. Die Regeltabelle (Signal → Reaktion) ist dieselbe, die der Healer nutzt.


7. Übertragbarkeit auf andere Cluster

7.1 Hardware-Abstraktion

  1. Inventar-Agent auf jedem Node: liest GPU-Modell, VRAM, Compute Capability, Treiber, CPU-Kerne, RAM und Speicher aus (nvidia-smi, lscpu, …) und meldet ein Capability-Profil.
  2. Modell-Katalog mit Anforderungen pro Modell und Quantisierung: Mindest-VRAM, Mindest-Compute-Capability, unterstützte Engines, Kontext.
  3. Placement-Regeln (anfangs deterministisch, keine Optimierung):
    • Compute Capability ≥ 7.x und genug VRAM → vLLM-Rolle
    • Compute Capability 5.x–6.x → llama.cpp-Rolle (Embedding, Rerank, kleine Modelle)
    • keine GPU → CPU-Rollen (Infra, CPU-Embedding als Fallback)
  4. Kalibrierungslauf nach dem Deployment: Benchmark pro Slot (Tokens/s, Latenz, effektiver Kontext) → Registry wird automatisch befüllt.

7.2 Konfigurationsschichten (Repo-Struktur)

core/              portabel: Python-Paket `knaster` (Router, Registry, Verifier, Healer,
                   Pflege-Agent, Lifecycle, Inventar/Placement) + Tests
config/            portable Standardwerte: Registry-Schema-Beispiel, Policy, Healer-Regeln
catalog/           Modell-Katalog mit Hardware-Anforderungen
skills/            SKILL.md-Bibliothek (Format kompatibel zu Hermes / agentskills)
deploy/            Docker-Compose pro Rolle, LiteLLM-, Prometheus-, Alertmanager-Konfiguration
n8n/               importierbare Workflows
platform/proxmox/  austauschbar: OpenTofu + Ansible; später ggf. platform/baremetal, platform/k8s
sites/<cluster>/   standortspezifisch: Inventar, Registry, Placement-Overrides, Secret-Referenzen

7.3 Was wandert mit, was nicht?

Asset Übertragbar?
Skills (Text), Eval-Sets, Trainingsdaten ja, uneingeschränkt
Router-Schwellwerte ja, aber nur wenn das Embedding-Modell gleich ist; sonst neu kalibrieren
LoRA-Adapter nur bei identischem Basismodell; sonst neu trainieren (Pipeline aus Abschnitt 4)
Registry-Kalibrierung nein, wird pro Cluster neu gemessen

Die Portabilität beruht also auf den Daten und der Pipeline, nicht auf Gewichten oder Hardware-Annahmen.


8. Roadmap

Phase Inhalt Fertig, wenn …
0 Fundament Proxmox-Templates, Resource Mappings, OpenTofu/Ansible, Monitoring-Stack eine GPU-VM lässt sich per Code neu erzeugen, Grafana zeigt GPU- und Proxmox-Metriken
1 Data Plane LiteLLM, vLLM (Ada), llama.cpp (P2000/M4000), Postgres+pgvector alle Slots per LiteLLM erreichbar, Canary-Checks grün
2 Kernpfad Router (/route, /escalate), Registry, n8n-Hauptworkflow, Verifier v1, Langfuse Anfrage läuft Ende-zu-Ende inkl. Eskalation nach OpenRouter
3 Skills Hermes als Skill-Autor, SKILL.md-Bibliothek, Graduierungs-Workflow erster Skill autonom erstellt, getestet und auf Stufe 1 freigegeben
4 Robustheit Healer, Regeltabelle, Token-Budget, Kontext-Kalibrierung, Fehlerklassen provozierter GPU- bzw. Container-Ausfall heilt ohne Eingriff
5 Lifecycle Kandidaten-Pipeline, QLoRA-Training, Shadow/Canary, Rollback Adapter automatisch trainiert, evaluiert, promoted und einmal zurückgerollt
6 Portabilität Inventar-Agent, Katalog, Placement, Kalibrierungslauf zweiter (ggf. simulierter) Cluster aus sites/ aufgesetzt

9. Entscheidungen

Getroffen

  • GPU-Nodes als VM, Infrastruktur als LXC bzw. leichte VM (ADR-0001)
  • Netzwerk 1 GbE → kein Ceph, ZFS lokal plus Replikation, Modelle lokal (ADR-0002)
  • Slots statt Modellnamen, eine Lifecycle-Pipeline für alle Wechsel (ADR-0003)
  • Halbautomatische Pflege über einen Pflege-Agenten mit Freigabe per Prompt (ADR-0004)
  • Infrastruktur heilt deterministisch, ohne LLM-Entscheidungen (ADR-0005)
  • Alte GPUs nur llama.cpp, M4000 vorerst aus, TTS mit Piper (CPU) und Qwen3-TTS (Ada) (ADR-0006)

Offen

  1. Erstes Basismodell für tier1-general (8–14B, gut quantisierbar, LoRA-freundlich, gutes Deutsch). Entscheidung per Kalibrierungslauf.
  2. Kommen die M4000 zurück? llama-bench plus Strommessung am Deployment-Tag (bis dahin außer Betrieb, ADR-0006)
  3. Verifier-Strategie pro Aufgabentyp: Code-Checks, Schema, kleines Judge-Modell, Stichproben durch das starke Modell
  4. Schwellwerte: Graduierung (Start 90 %), Fallzahl fürs LoRA-Training (Start 300), Canary-Anteil (Start 10 %)
  5. Kanal für den Pflege-Agenten: n8n Chat, Telegram oder Matrix
  6. Standort des Proxmox Backup Servers (intern auf SSD oder extern)